Gefühle zulassen
Trauern Sie so, wie es für Sie stimmt – laut oder leise, mit Tränen oder mit Worten. Gefühle, die sein dürfen, müssen nicht verdrängt werden und können heilen.
Sie haben ein Kind verloren – und mit ihm all die Bilder, die Sie sich schon ausgemalt hatten. Diese Trauer ist echt und berechtigt, auch wenn die Schwangerschaft erst wenige Wochen alt war und das Umfeld sie vielleicht nicht sieht. Auf dieser Seite finden Sie, was jetzt guttun kann – für Ihre Seele, Ihren Körper und Ihre Beziehung.
„Es war ja noch ganz früh.“ – „Ihr könnt es ja wieder versuchen.“ Solche Sätze sind meist gut gemeint und treffen doch mitten ins Herz. Denn für Sie war dieses Kind vom ersten positiven Test an real. Trauer, Wut, Leere, Schuldgefühle, Neid auf Schwangere – all das darf da sein, Wochen oder auch Monate lang. Es gibt kein vorgeschriebenes Maß und keinen Zeitplan für Trauer.
Fehlgeburten sind zugleich viel häufiger, als öffentlich darüber gesprochen wird: Ein beträchtlicher Teil aller Schwangerschaften endet vorzeitig, die meisten in den ersten zwölf Wochen. Das macht Ihren Verlust nicht kleiner – aber es bedeutet: Sie sind nicht allein, und Sie tragen keine Schuld.
Jede Frau, jedes Paar trauert anders. Diese sechs Dinge haben sich für viele als hilfreich erwiesen.
Trauern Sie so, wie es für Sie stimmt – laut oder leise, mit Tränen oder mit Worten. Gefühle, die sein dürfen, müssen nicht verdrängt werden und können heilen.
Ihr Körper hat viel geleistet und braucht nun Ruhe, Schlaf und gute Versorgung. Gehen Sie zur ärztlichen Nachkontrolle und muten Sie sich erst nach und nach wieder mehr zu.
Erzählen Sie einander, wie es Ihnen wirklich geht – auch wenn Sie unterschiedlich trauern. Und wählen Sie bewusst aus, mit wem im Umfeld Sie sprechen möchten und mit wem nicht.
Ein Brief an das Kind, eine Kerze, ein gepflanzter Baum, ein stiller Abschied zu zweit: Rituale geben dem Verlust einen Ort – und der Trauer eine Form, die tragen kann.
Ob psychotherapeutische Begleitung, eine Selbsthilfegruppe oder Freunde, die einfach da sind: Hilfe anzunehmen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern von Selbstfürsorge.
Ob und wann Sie wieder schwanger werden möchten, entscheiden allein Sie beide. Ein Gespräch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt hilft, den medizinisch passenden Zeitpunkt zu finden.
Körperlich erholen sich die meisten Frauen nach einer frühen Fehlgeburt innerhalb einiger Wochen: Die Blutung klingt ab, der Zyklus pendelt sich häufig bald wieder ein. Eine ärztliche Nachkontrolle gibt Sicherheit, dass alles gut verheilt ist – und ist der richtige Ort für alle körperlichen Fragen.
Die Seele hat oft ein anderes Tempo. Manche Frauen fühlen sich nach Wochen wieder stabil, andere brauchen viele Monate – und oft kommt die Trauer in Wellen, etwa am errechneten Geburtstermin oder beim Anblick von Schwangeren. All das ist normal. Wann ein neuer Versuch guttut, ist deshalb keine rein medizinische Frage: Medizinisch ist nach einer frühen, komplikationslosen Fehlgeburt meist keine lange Wartezeit nötig – besprechen Sie den für Sie passenden Zeitpunkt in Ruhe mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, und hören Sie dabei auch auf Ihr Gefühl.
Eine einzelne frühe Fehlgeburt ist in aller Regel kein Grund zur Sorge: Die häufigste Ursache sind zufällige Chromosomenveränderungen des Embryos, die niemand beeinflussen kann – weder durch Verhalten noch durch Ernährung oder Sport. Genau deshalb gilt: Es ist nicht Ihre Schuld.
Anders bei wiederholten Fehlgeburten: Klassisch wird eine Abklärung ab drei aufeinanderfolgenden Fehlgeburten empfohlen, viele Fachgesellschaften raten bereits nach zwei dazu. Dann lohnt sich ein genauer Blick auf mögliche Ursachen – von Hormon- und Gerinnungsstörungen bis zu genetischen Faktoren. Bei uns geschieht das im Rahmen der Abortabklärung, mit hauseigenem Hormon- und Genetiklabor an einem Ort. Das Wichtigste dabei: Wird eine Ursache gefunden, lässt sie sich häufig gezielt behandeln – und die Chancen auf eine ausgetragene Schwangerschaft steigen.
Eine Fehlgeburt trifft beide Partner – aber selten auf dieselbe Weise. Häufig trägt die Frau neben der Trauer auch das körperliche Erleben, während der Partner oder die Partnerin stark sein möchte, funktioniert und die eigene Trauer zurückstellt. Von außen kann das wie Gleichgültigkeit wirken – dahinter steckt aber meist Hilflosigkeit oder der Wunsch, den anderen zu schützen.
Was hilft: einander die eigene Art zu trauern erklären, statt sie zu bewerten. Kleine gemeinsame Rituale finden. Bewusst Momente einplanen, die nichts mit dem Verlust zu tun haben. Und wenn Sie merken, dass Sie einander nicht mehr erreichen, holen Sie sich Unterstützung dazu – gemeinsam oder jeder für sich. Viele Paare erleben, dass sie an dieser Krise letztlich näher zusammenrücken.
Nein. Die Tiefe Ihrer Trauer richtet sich nicht nach der Schwangerschaftswoche, sondern nach der Bedeutung, die dieses Kind für Sie hatte – und die war vom ersten Moment an groß. Auch eine sehr frühe Fehlgeburt ist ein echter Verlust, um den Sie trauern dürfen, solange Sie es brauchen.
Nein. Die allermeisten Fehlgeburten entstehen durch zufällige Chromosomenveränderungen des Embryos, die niemand beeinflussen kann – weder durch Verhalten noch durch Ernährung, Sport oder Stress im Alltag. Dieses Wissen nimmt vielen Paaren eine schwere Last von den Schultern.
Aus medizinischer Sicht ist nach einer frühen, komplikationslosen Fehlgeburt meist keine lange Wartezeit erforderlich. Ebenso wichtig ist aber, dass Sie sich beide emotional bereit fühlen – und das darf dauern. Den passenden Zeitpunkt besprechen Sie am besten individuell mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Nach einer einzelnen frühen Fehlgeburt ist meist keine umfassende Abklärung nötig. Ab wiederholten Fehlgeburten – klassisch ab drei, nach Empfehlung vieler Fachgesellschaften bereits ab zwei – ist eine gezielte Abortabklärung sinnvoll. Bei uns erfolgt sie mit hauseigenem Hormon- und Genetiklabor, ohne lange Wege.
Sätze wie „Ihr könnt es ja wieder versuchen“ dürfen Sie freundlich stoppen: „Das tut uns gerade nicht gut – wir brauchen im Moment einfach Verständnis.“ Sie entscheiden, wem Sie wie viel erzählen. Vielen hilft es, eine Vertrauensperson zu bitten, das Umfeld zu informieren – damit Sie es nicht immer wieder selbst erzählen müssen.
Vielen Trauernden ja: Ein Abschiedsbrief, eine Kerze an bestimmten Tagen, ein gepflanzter Baum oder ein kleines Erinnerungsstück geben dem Verlust einen konkreten Ort. Das kann helfen, die Trauer zu würdigen, statt sie wegzuschieben – und ihr zugleich einen Rahmen zu geben. Es gibt dabei kein Richtig oder Falsch: Wählen Sie, was sich für Sie stimmig anfühlt.
Unterschiedliches Trauern ist der Normalfall, kein Alarmsignal: Der eine braucht Worte und Nähe, die andere Ablenkung und Aktivität. Schwierig wird es meist erst, wenn beide die Art des anderen als Lieblosigkeit deuten. Sprechen Sie offen darüber, was Sie jeweils brauchen – und holen Sie sich bei Bedarf Unterstützung, etwa in unserer psychotherapeutischen Begleitung. Viele Paare gehen aus dieser Zeit gestärkt hervor.
Unsere psychotherapeutische Begleitung ist seit 1988 fester Teil unseres Hauses und mit der Situation nach Fehlgeburten sehr vertraut. Vielen Betroffenen tun außerdem Selbsthilfegruppen gut, in denen Frauen und Paare mit ähnlichen Erfahrungen einander stützen. Und in akuten Krisen ist die Telefonseelsorge rund um die Uhr unter 142 für Sie erreichbar.
Seit 1988 gehört die psychotherapeutische Begleitung fix zu unserem Haus – für Gespräche nach einem Verlust, alleine oder als Paar, einmalig oder über längere Zeit. Und wenn Sie nach wiederholten Fehlgeburten Klarheit suchen: Unsere Abortabklärung geht den Ursachen gezielt auf den Grund.
Wenn Sie so weit sind, sind wir für Sie da – mit Zeit, Erfahrung und einem Team, das Ihre Geschichte kennt. In Ihrem Tempo.
Oder rufen Sie uns an: +43 1 877 77 75
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